Warum „Diversity“ in Supervision und Beratung wichtig ist? Ein Plädoyer für einen offenen und wertschätzenden Umgang mit Diversität

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Als Ethnologin betrachte ich die Welt durch eine besondere Linse: Nichts ist selbstverständlich oder „normal“, sondern immer auch das Ergebnis kultureller und gesellschaftlicher Prägungen. Das entspricht ein stückweit dem konstruktivistischen Ansatz, dass die Wahrnehmung unserer Realität konstruiert ist. Es hilft mir, Phänomene im Beratungskontext nicht als Automatismen hinzunehmen, sondern sie gemeinsam zu hinterfragen: Wie entstehen bestimmte Überzeugungen? Welche Rolle spielen unbewusste Muster und gesellschaftliche Normen? Und wie wirken sie sich auf Teams und Arbeitsprozesse aus?

Diversity umfasst viele Dimensionen – von Alter, Geschlecht und Ethnizität bis hin zur sozialen Herkunft und sexuellen Orientierung. In meiner Beratung geht es nicht darum, Unterschiede zu bewerten, sondern einen offenen Umgang mit ihnen zu finden. Gleichzeitig gibt es klare Grenzen: Respektlose oder abwertende Äußerungen sind nicht akzeptabel. Gleichzeitig ist es wichtig, Herausforderungen und Spannungen nicht zu tabuisieren, sondern aktiv zu bearbeiten. Denn Unterschiede können sowohl Reibung als auch Bereicherung bedeuten.

Jede Organisation entwickelt eigene Muster im Umgang mit Vielfalt – bewusst oder unbewusst. Diese Strukturen beeinflussen, wie sehr sich Mitarbeitende gesehen, gehört und akzeptiert fühlen. Fehlt es an Anerkennung oder Offenheit für Unterschiede, kann das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit leiden. 

Mit meiner ethnologischen Perspektive fördere ich Bewusstsein für Unterschiede und unterstütze Teams dabei, pragmatische Wege zu finden, einen bewussten Umgang mit Diversität im Arbeitsalltag zu gestalten. Dabei braucht es Sensibilität, Fingerspitzengefühl und eine lösungsorientierte Herangehensweise, damit sowohl die Organisation als auch die einzelnen Menschen einen echten Mehrwert aus der Beratung ziehen können.

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